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Unkraut á la carte

Es gibt kaum eine Pflanze, die so polarisiert wie der Giersch: Gärtner Paolo bringt er zum Verzweifeln, Kräuterexpertin Iris ins Schwärmen. Was ist das für ein Gewächs, das solche Gegensätze in sich vereint?

Spitzige Blätter, kleine weiße Blüten, ohne Anspruch an Standort und Pflege – eigentlich könnte man meinen, der Giersch sei ein harmloses, unscheinbares Gewächs. Doch wenn Paolo Fraere, Gemeindegärtner in Rankweil, diesen Namen hört, bekommt er Gänsehaut. Die ungestüme Kraft, mit der sich der Giersch in Beeten ausbreitet, macht ihn unter Gärtnern äußerst unbeliebt. Wächst er erst einmal, ist er kaum mehr wegzukriegen. Hackt man ihn weg, so treibt er nur umso emsiger aus jedem noch so kleinen Wurzelstück eine neue Pflanze.

Schmackhaftes Wildkraut
Das zarte Grün einfach weg zu hacken, darauf würde Iris Lins, Kräuterexpertin aus Rankweil, nie kommen. Ihr Motto lautet: Um dem Giersch Herr zu werden, sollte man ihn möglichst fleißig ernten. Denn unter Kennern wie Iris gilt er als schmackhaftes Wildkraut. Besonders die jungen, noch hellgrünen Triebe eignen sich für frische Salate. Sie schmecken nach einer Mischung aus Spinat, Möhre und Petersilie mit einem Hauch von Sellerie. Ältere Blätter sind etwas intensiver im Geschmack und eignen sich zum Kochen als Spinat und als Zugabe zu vielen Speisen wie Kräuterbutter, Pesto, Suppen, Saucen, Kartoffelgerichten oder Gemüsebroten.

Getrocknet und zu Pulver verrieben sind die Blätter ebenso wie die etwas schärferen Samen übrigens auch ein gutes Gewürz für Suppen und Saucen. Auch die Giersch-Blüten sind essbar. Besonders saftig sind die Stiele und Knospen. Sie kommen frisch als Gemüse oder auch eingelegt wie Sauerkraut auf den Wildkraut-Teller.

Unkraut oder Nutzkraut
Wie viele Wildkräuter ist auch der Giersch ein wahres Vitamin C-Wunder. Er enthält mehr als fünfzehnmal so viel Vitamin C wie der Kopfsalat, viermal so viel wie Zitronen. Die Volksheilkunde schätzte den Giersch früher außerdem besonders bei der Behandlung von Rheuma und Gicht.
Trotz all dieser positiven Eigenschaften wird Gärtner Paolo nicht umhin kommen, auch weiterhin den Giersch aus den gemeindeeigenen Blumenbeeten in Rankweil zu verbannen. Aber wer weiß: Vielleicht lässt er beim nächsten Unkrautjäten die eine oder andere Handvoll Giersch in seiner Gärtnerschürze verschwinden. Wundern würde es uns jedenfalls nicht.

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