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Rankweil feiert Markt – vom 4. bis 22. Oktober

Die Rankweilerinnen und Rankweiler waren immer schon ein zielstrebiges Völkchen. Was man sich einmal in den Kopf gesetzt hatte, wurde auch erreicht. So verwundert es nicht, dass Rankweil es nach mehreren Anläufen schaffte, einen Markt durchzusetzen. Noch heute – 400 Jahre später – findet wöchentlich ein Markt in Rankweil statt. Dessen Bild hat sich über die Jahrhunderte gewandelt, gleich geblieben ist jedoch die Lust am Handeln, Feilschen und Verkosten.

Genauso wie die Stadtmauern gehörte das Marktrecht damals zu den typischen Merkmalen einer Stadt, auch Feldkirchs Wirtschaft lebte von und mit dem Markt. Diesen Markt versuchte man zu verteidigen, die Stadt definierte sich über den einzigen Markt in der ganzen Region als wirtschaftliches Zentrum. Feldkirch, als älteste Stadt und wichtigster Marktort der ganzen Region war natürlich nicht über die Marktgründungswünsche der Rankweiler erfreut, da sie einen Mitbewerber in damals schwierigen Zeiten fürchtete.

Diese überregionale Marktherrschaft Feldkirchs wurde bedroht, als man auch im Sankt Galler Rheintal einen Wochenmarkt gründete. Die Feldkircher bemerkten diese Konkurrenz durch das Ausbleiben von Schmalz- und später auch Käselieferungen auf ihrem eigenen Markt. Einige Jahrzehnte später blieben auch Waren der Vaduzer Bauern aus. Die Feldkircher spürten zudem die Konkurrenz des Altstättener Wochenmarkts, wohin die Vorderländer ihre Flachsprodukte lieferten. Auch die Gründung des Viehmarktes im kleinen Städtchen Werdenberg wurde als Konkurrenz spürbar.

Erste Rankweiler Gründungsversuche
Die Stadt Feldkirch konnte die ersten Versuche der Rankweiler zur Abhaltung eines Marktes mit rechtlichen Schritten abblocken. Unterstützt wurde Feldkirch dabei von der Stadt Bludenz, welche einen Markt in Rankweil ebenso als schädlich für die eigene Wirtschaft und den eigenen Markt einstufte. Man fürchtete außerdem geringere Zolleinnahmen. Die Feldkircher verwiesen auf die Nähe von Rankweil zum Rhein und vermuteten, die Viehhändler, zumeist Italiener, könnten das gekaufte Vieh und andere Marktprodukte in die Schweiz schmuggeln und damit den Zoll umgehen. Im Übrigen würden diese Händler als potentielle Käufer auf dem eigenen Markt fehlen. Eine Konkurrenz für die städtischen Märkte bedeutete auch der 1694 in Götzis gegründet Garnmarkt, der sich zum bedeutendsten Spezialmarkt in Vorarlberg entwickeln sollte.

Auch um den Salzhandel zitterte man: Den Feldkirchern war klar, dass die Jagdberger Salzhändler den kurzen Weg über die Satteinser Klause, den Schwarzen See nach Rankweil bevorzugen würden und die Käufer aus der Schweiz ihren Salzbedarf im nahen Rankweil decken würden.

Außerdem ging man davon aus, dass das auswärtige Marktvolk seinen Durst nun in Rankweils statt in Feldkirchs Gaststätten stillen würde, was Einbußen bei der Getränkesteuer zur Folge hätte. Dieses Argument war sicher berechtigt, da nach mündlicher Überlieferung die Marktfahrer und Fuhrleute sowohl in Feldkirch als auch in Rankweil in früheren Jahrhunderten die besten Besucher der lokalen Gasthäuser waren.

Nachdem die Regierung in Innsbruck mit einer Entscheidung für oder gegen die Erlaubnis eines Marktes zögerte, wagten es die Rankweiler, ohne behördliche Bewilligung zwei Märkte zu veranstalten. Diese nicht bewilligten Viehmärkte hatten einen erfreulich guten Zulauf, besonders zum zweiten Termin kamen Käufer aus dem Bregenzerwald, Dornbirn und der benachbarten Schweiz. Doch das vorschnelle Vorgehen der Rankweiler kostete ihnen die Glaubwürdigkeit bei den Behörden. Ihre Ausrede, keinen Viehmarkt, sondern nur einen Zusammentrieb von Vieh zu Tauschzwecken organisiert zu haben, nützte ihnen nichts.

Auch die weiteren Versuche Rankweils zur Viehmarktgründung blieben erfolglos. Erst 1618 war das Gericht Rankweil-Sulz mit seinem Gesuch um die Abhaltung von drei Viehmärkten erfolgreich. 40 bis 60 Stück Vieh sollen damals auf dem Markt verkauft worden sein, auch Tiroler Viehhändler brachten angeblich ihr Vieh nach Rankweil.

Positive Auswirkung auf Bahnbau
Direkt mit dem Aufschwung des Viehhandels in Verbindung steht der Bahnbau. Rankweil bemühte sich beim Bau der Vorarlbergbahn um eine Positionierung des Bahnhofs in der Nähe des Marktplatzes und hatte dafür zwei neue Straßen anzulegen – eine direkte Zufahrtsstraße zum Marktplatz und eine Zufahrtsstraße zur Hauptstraße des Dorfes. Zweck dieser zweiten Straße war, dass vom Bahnmagazin kommende schwere Fuhrwerke den Markt nicht stören sollten.

Der Straßenbau kostete die Gemeinde beachtliche 8.000 Gulden, die sonstigen Investitionen für das Bahnprojekt beliefen sich auf 13.000 Gulden. Da der Bahnanschluss, sowohl für die Bevölkerung wie auch für den Markt sehr wichtig war, wurden die Kosten aufgebracht. Damit konnte das Vieh schnell zu den Märkten und von den Märkten weg per Bahn abtransportiert werden.