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Stoff-Geschichten

Seit sechs Monaten liege ich schon hier. Ab und an hat man mich aus dem Regal gezogen, aufgewickelt und begutachtet. Warum ich immer noch hier bin? Keine Ahnung. Schließlich bin ich doch die Schönste hier in meinem edlen, sanften Salbeiton und mit meinen zarten Fasern aus reinem Hanf.

Heute ist wieder so ein Tag. Katharina – Herrin über 20 Stoffballen – zieht mich aus dem Regal. Hoffentlich bin ich endlich dran. Es sieht vielversprechend aus, denn sie hat ein Schnittmuster dabei, das sie selbst gezeichnet hat. Sanft breitet sie mich auf dem weißen Tisch aus, sehr kalt ist das. Sie streift mich glatt und wendet mich ein paar Mal. Es kann losgehen, ich bin bereit. Der Kreidestift wird angesetzt, wie das kitzelt! Was werde ich denn? Eine Hose? Ein Hemdchen oder doch die tolle Latzhose?

In dieser Größe bestimmt etwas für ein Kind. Moment … ich werde ein Kleid. Ein Kleid! Gottseidank. Das Zuschneiden hat gar nicht wehgetan. Katharina hat das ja auch gelernt, auf der Modeschule in München. Das Zusammennähen aber, ja das ist aufwendig. Ich wurde bestimmt drei Stunden bearbeitet und mit einem wunderschönen Holzknopf für die verstellbaren Träger verschönert. Nun bin ich sehr stolz auf mich. Ein kleines Mädchen wird mich bestimmt gerne tragen.

Doch – Moment – was ist das? Ich werde gebügelt und zusammen gefaltet! Ich bin gar nicht für Katharinas Kind? Stattdessen werde ich verpackt und einer anderen Dame in die Hand gedrückt. Die andere Dame, das ist Karin. Karin entfaltet mich – das tut gut – und zieht mich einer Puppe an. Aber da sind ja noch andere: Hosen, Mützen und Taschen. Schüchtern stelle ich mich den anderen Kleidungsstücken vor und stelle erleichtert fest – auch sie sind alle von hier – aus Vorarlberg.

Eine Zeit lang hänge ich also im Wunderland – so heißt Karins Kindergeschäft. Bis eines Tages ein kleines Mädchen mit blauen Augen vor mir stehen bleibt, mich überstreift und mich mit nach draußen nimmt. Endlich! Herrlich frische Luft umweht mich und alle schauen mich an. Bin ich nicht toll?

Modedesignerin
Katharina Frick hat in München Modedesign studiert und anschließend mit ihrem Freund David das Kindermodelabel „Matona“ gegründet. Die Idee dazu entstand, weil sie für ihren Sohn nie das Passende fand. Heute lebt sie in Rankweil und designt handgefertigte Kleidungsstücke, die mitwachsen - vorzugsweise aus Hanffaser. www.matona.at

Wunderland - Kindershop
Vor knapp drei Jahren hat Karin Ehrentraut sich ihren Traum erfüllt und einen Shop für Kinderartikel im Oberdorf eröffnet. Mit überwältigendem Erfolg: Im Frühjahr 2018 wurde das Wunderland auf 500 Quadratmeter vergrößert. Das Sortiment umfasst Kleidung ebenso wie Schuhe und Bücher. In einer Ländle-Ecke bietet sie Produzenten aus der Region eine Vermarktungsplattform.
Wunderland, Alemannenstraße 49
T +43 5522 230 15, www.wunderland.cc